Mit dem Handy bezahlen – das ist eine Vision, die auf der ganzen Welt überzeugt. Vor allem in Weltregionen ohne starkes Bankensystem und dichtes Filialnetz nutzen Menschen die neue Technologie, um am Wirtschaftsgeschehen teilzunehmen. In Kenia haben beispielsweise schon fast 90 Prozent der Haushalte Erfahrung mit Mobile Payments.

«Die Zahl der Mobile-Payment-Nutzer steigt seit 2009 kontinuierlich an. In Europa steht der grosse Durchbruch aber noch aus – ganz im Gegensatz zu Asien, Afrika und Nordamerika», heisst es in einer Studie der auf die Finanzindustrie spezialisierten Unternehmensberatung GFT Technologies.

Am meisten werden Mobile Payments derzeit im asiatisch-pazifischen Raum genutzt. 2016 zählte man für die GFT-Studie dort über 160 Millionen Nutzer. Auf Rang zwei folgt Afrika mit über 100 Millionen Nutzern. Amerika (90 Millionen) und Europa (64 Millionen Nutzer) folgen mit gewissem Abstand. GFT streicht indessen das grosse Potenzial heraus, welches mobiles Bezahlen noch hat.

Denn rund sieben Milliarden Menschen (95 Prozent der Weltbevölkerung) leben laut der International Telecommunication Union (ITU) in von Mobilfunknetzen erschlossenen Regionen. Ende 2016 nutzten mehr als die Hälfte davon einen mobilen Breitbandzugang, um ins Internet zu gehen.

Mobile Payments: kein heimlicher Griff in die Kasse

Von der grossen Zukunft, die Mobile Payments vor allem in Afrika haben, ist auch Johann Gevers fest überzeugt. Noch im laufenden Jahr will sein in Zug ansässiges Unternehmen Monetas die eigene Mobile-Payment-App in Südafrika lancieren.

Physisches Eigentum macht in Zukunft nur noch einen kleinen Teil der gesamten Wirtschaft aus. Digitale Plattformen sind ideal, um diesen Trends zu begegnen und sie zum Wohle aller zu nutzen

«In Südafrika haben wir gut vernetzte Partner, durch deren Beziehungen wir rasch wachsen werden», ist Gevers überzeugt. Einer der ersten lokalen Partner von Monetas ist ein Unternehmen, welches Personalrestaurants und Cafeterias für andere Firmen betreibt, ähnlich dem Modell der Schweizer SV Group. Derzeit betreibt diese Firma rund 80 Personalrestaurants in Südafrika.

Damit soll ein drängendes Problem der Kantinenbetreiber gelöst werden: Sie verlieren viel Geld, weil die Kassenangestellten Bargeldbeträge unterschlagen. Dank dem Einsatz von Monetas wird das nicht mehr möglich sein, denn dann wird der offene Betrag direkt vom Kundenhandy auf das digitale Portemonnaie des Zahlungsempfängers transferiert.

Die Restaurationsgruppe ist zudem nicht nur in Südafrika aktiv, sondern auf dem ganzen Kontinent und im Mittleren Osten. Insgesamt betreibt sie in 22 Ländern mehr als 800 Personalrestaurants.

Weiter baut Monetas Partnerschaften mit einer Palette von Finanzinstituten, Mobilfunkanbietern, Detailhandelsketten, Arbeitgebern und Behörden auf. So sollen die Nutzer ein komplettes, integriertes Ökosystem vorfinden, in dem sie nahtlos alle Geschäfte abwickeln können.

Digitales Bargeld braucht kein Bankkonto mehr

Allerdings ist die Plattform von Monetas nicht einfach nur dazu da, bisherige Bankkonten irgendwie mobil zu machen und somit eigentlich nur eine andere Version von «Kreditkarte» zu sein. Bei solchen Systemen, in der Schweiz fallen Paymit oder Twint darunter, blickt man eigentlich nur durch die App auf sein Bankkonto.

Zahlungsaufträge werden von der App nur zur Bank übermittelt. Diese transferiert das Geld dann ganz herkömmlich von einem Konto zum anderen. Bei Monetas hingegen befindet sich das Geld im Handy selbst – es ist also laut Gevers ein wahres digitales Portemonnaie. Das geht deshalb, weil auf der Monetas-Plattform gesetzliche Zahlungsmittel – also Bargeld – in digitaler Form herausgegeben und gehandelt werden können. Ein Geldtransfer mit Monetas erfolgt direkt von einem Handy zum anderen, ohne dass eine Bank überhaupt nötig ist.

Um dies zu erklären, holt Gevers etwas weiter aus und spricht über den Charakter des heutigen physischen Bargeldes. Die von der Schweizerischen Nationalbank ausgegebenen Scheine und Münzen sind sogenannte Inhaberinstrumente. Sie sind nicht registriert und man kann ihren jeweiligen Inhaber nicht identifizieren.

Das heutige physische Bargeld gehört also dem, der es gerade hat, ohne dass man weiss, wer das ist. Eine Bargeldtransaktion wie an der Grossverteilerkasse erfolgt einfach und direkt zwischen zwei Parteien, ohne dass eine Bank daran beteiligt sein muss.

Nationalbanken als Wunschpartner

Genau solch einen Vorgang – in digitalisierter Form – macht Monetas jetzt auch mit dem Handy möglich, weil das System auf der Existenz von digitalem Bargeld basiert. Damit Bargeld ein gesetzliches Zahlungsmittel darstellt, muss es von einem Herausgeber autorisiert werden. Bei Schweizer Franken ist das die Nationalbank – Thomas Jordans Unterschrift prangt deshalb auf jedem Geldschein.

Gevers grosses Ziel ist es, die Nationalbanken auch als Herausgeber für das digitale Geld auf der Monetas-Plattform zu gewinnen. Dann könnte das bisherige physische Bargeld durch gleichwertiges digitales Bargeld ergänzt, später vielleicht sogar einmal ersetzt werden.

Bis dahin können jedoch gewöhnliche Geschäftsbanken physisches Bargeld annehmen und dafür eins zu eins digitales Bargeld auf der Monetas-Plattform ausgeben. Dabei basiert das Monetas-System nicht auf der Blockchain-Technologie, die hinter anderen digitalen Währungen wie beispielsweise Bitcoin steht.

Mit Technologien wie der Blockchain lässt sich Eigentum sicher zuordnen

Gevers sieht den Vorteil von digitalem Bargeld unter anderem darin, dass es wesentlich günstiger ist als konventionelles gedrucktes und geprägtes Bargeld. Die Zentralbanken können so Milliardenbeträge pro Jahr sparen. Zudem ist gut designtes digitales Bargeld fast unmöglich zu fälschen.

Eine Studie der indischen Zentralbank hat laut Gevers zudem ermittelt, dass physisches Bargeld die Volkswirtschaft in Entwicklungsländern pro Jahr fünf bis sieben Prozent des Bruttoinlandproduktes kostet. In entwickelten Staaten sind es noch immer ein bis zwei Prozent des BIP. Also könnte ein Wechsel zu digitalem Bargeld die Wirtschaft massiv ankurbeln.

Der Zugang zu modernen Finanzdienstleistungen hat vor allem für den Einzelnen grosse Vorteile. Menschen in armen Ländern, die ihre Ersparnisse nicht auf einem Bankkonto sicher aufbewahren können, verlieren jährlich 15 bis 25 Prozent ihres Geldes durch Diebstahl oder Verlust. Die Monetas-App gibt allen Menschen die Möglichkeit, ihr Geld in ihrem selbstverwalteten digitalen Portemonnaie auf ihrem Mobiltelefon sicher aufzubewahren.

Für den Fall eines Verlustes existiert ein Back-up in der Cloud. Während die Nutzung der Monetas-App kostenlos ist, werden Transaktionen mit einer Gebühr von 0,5 Prozent und maximal 20 Rappen belastet.

Diese Gebühr übernimmt der Zahlungsempfänger. Händler würden allein schon deshalb digitales Bargeld nicht nur jeder Kreditkarte vorziehen, sondern auch lieber als physisches Bargeld sehen. Schliesslich kostet sie das digitale Bargeld weniger, meint Gevers.

Grosse entwicklungspolitische Effekte

Die hohen Kosten der physischen Bargeldhaltung sind auch für die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung sowie die Unternehmensberatung McKinsey ein Bremsklotz für die bessere wirtschaftliche Entwicklung der Länder südlich der Sahara. Dort hätten digitale Zahlungslösungen grosses Potenzial, schreiben Jake Kendall, Robert Schiff und Emmanuel Smadja in ihrem Blogbeitrag «Sub-Saharan Africa: A major potential revenue opportunity for digital payments» auf der McKinsey-Webseite.

Rund zwei Drittel der Erwachsenen in dieser Region verfügten bereits über Mobiltelefone. In Kenia würden jedoch bereits 86 Prozent der Haushalte Mobile Payments nutzen. Die breite Akzeptanz solcher Lösungen stifte auch über die Finanzdienstleistungsbranche hinaus Nutzen.

Dieser entwicklungspolitische Aspekt ist für Johann Gevers zentral, denn er hat es sich zur Mission gemacht, Infrastrukturlösungen zu entwickeln, die den Menschen zu mehr Freiheit, Wohlstand und Lebensqualität verhelfen. Damit sich Wohlstand entwickeln kann, sind drei Dinge nötig:

  1. Sicherheit für das Eigentum: Dazu gehören auch Rechtssicherheit und eine geringe Kriminalitätsrate.
  2. Geringe Transaktionskosten: Sie fördern die Arbeitsteilung, weil man mit geringen Kosten kaufen kann, was man nicht selbst herstellt. Das steigert kontinuierlich die Produktivität des Einzelnen und der ganzen Volkswirtschaft.
  3. Ein grosses ökonomisches Netzwerk: Nur so können viele miteinander handeln und eine noch grössere Arbeitsteilung und Produktivität ermöglichen. Unternehmen aus der Schweiz können beispielsweise auf ein Netzwerk von rund zwei Milliarden Menschen zugreifen.

Digitale, auf Mobilfunk basierte Finanzplattformen können diese Aspekte ideal miteinander verbinden. Mit Technologien wie der Blockchain lässt sich Eigentum sicher zuordnen. Finanztransaktionen können über Monetas sicher und günstig erfolgen.

Die Mobilfunknetze erlauben die Einbindung vieler Menschen. Die synergetische Kombination dieser Treiber wird laut Gevers den Lebensstandard in Entwicklungsländern und in der ganzen Weltwirtschaft stark steigern. Gevers glaubt, dass digitales Eigentum und digitaler Handel in Zukunft dominant werden. Physisches Eigentum macht in Zukunft nur noch einen kleinen Teil der gesamten Wirtschaft aus. Digitale Plattformen sind ideal, um diesen Trends zu begegnen und sie zum Wohle aller zu nutzen.

Privatsphäre muss erhalten bleiben

Allerdings will sich Gevers keinesfalls als Gegner des Bargeldes verstanden wissen. «Bargeld wird es immer geben», ist er überzeugt. Und beim digitalen Bargeld müsse die Privatsphäre der Bürger effizient geschützt werden. Denn Privatsphäre ist eine Voraussetzung für eine freie, blühende Gesellschaft. Auf der Monetas-Plattform ist es deshalb nicht ohne Weiteres möglich, die Geldbesitzer zu identifizieren.

Das geht laut Gevers nur mit einem richterlichen Beschluss. Ausserdem werden derzeit Technologien entwickelt, welche die Nutzeridentifikation nur unter Einsatz grosser Rechenkapazitäten erlauben. «Der für die Identifikation nötige Aufwand muss einen Schutz gegen flächendeckende Überwachung darstellen», betont Gevers.