Crowdlending ist auf den Finanzmärkten ein neuer Trend, mit welchem sich seriöse Anleger auch in der Schweiz auseinandersetzen sollten. Beim Crowdlending finanziert eine Mehrzahl von Geldgebern, sprich die Crowd, ein Darlehen.

Der Vermittler zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer ist eine Online-Plattform. Das Risiko liegt somit nicht bei einer Einzelperson, sondern wird auf die verschiedenen Geldgeber verteilt.

Diese wiederum bekommen einen Zins für den von ihnen zur Verfügung gestellten Betrag. Das Revolutionäre an diesem neuen Geschäftsmodell ist: Banken sind dafür überflüssig.

KMUs können ihre Ausbaupläne dank Crowdlending realisieren und zum Beispiel mit einer Finanzierung ein Büro in Bern eröffnen. Studierende können dank einer Studienfinanzierung über splendit.ch fokussiert ihre letzten Semester bewältigen und gelangen so schneller auf den Arbeitsmarkt. Auf der Plattform lend.ch können Privatpersonen bestehende Kredite günstig refinanzieren und so Zinskosten sparen.

Gemäss «Crowdlending-Report» des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) wurden im Jahr 2015 knapp acht Millionen Franken Kredite auf diese Weise vergeben. Im vergangenen Jahr dürften es rund 50 Millionen Franken gewesen sein. 2017 soll die Zahl auf 200 bis 250 Millionen Franken steigen. Diese Entwicklung überrascht nicht.

Denn nicht nur Finanzierungssuchende profitieren von den neuen Angeboten. Auch Anleger können dank Crowdlending attraktive Renditen erzielen. «Während zum Beispiel die fünfjährige Kassenobligation der Cembra Money Bank 0,45 Prozent Zins verspricht, konnten Anleger bei der Plattform Lend im vergangenen Jahr eine Rendite nach Gebühren von 5,77 Prozent erwirtschaften. Das ist ein Faktor zwölf», erklärt Andy Siemers, Dozent an der HWZ für den Studiengang Digital Finance.

Die Risiken halten sich indes im Rahmen. In der Schweiz sind die Ausfallraten im Konsumkreditgeschäft generell tief. Laut Angaben des schweizerischen Marktführers Cembra Money Bank machten letztes Jahr notleidende Kredite nur 0,6 Prozent seines gesamten Konsumkreditportfolios aus. «Geht man jedoch von einer vorsichtiger geschätzten Ausfallrate von 1 bis 1,5 Prozent im Schweizer Markt aus, dann vergleicht sich das mit dem Risiko von Unternehmensanleihen mit einem BBB- bis BB-Rating», erklärt Siemers.